Frauen zeigen Flagge bei der Frauen WM

Moderne Frauen stehen auf Fußball

Das Jahr 2011 stand in Deutschland im Zeichen der Fußball WM der Frauen. Vom 26. Juni bis zum 17. Juli traten die Mannschaften von 16 Nationen in verschiedenen deutschen Stadien gegeneinander an. Weltweit verfolgten Millionen die Spiele, noch nie war das Interesse am weiblichen Spitzenfuball größer. Und nicht nur auf dem Platz zeigten die Frauen, dass sie sich nicht vor der Männerwelt verstecken brauchen. Auch auf den Stadionrängen, in den Fanmeilen und in vielen Stadtzentren Deutschlands sah man weibliche Fußballfans Flagge bekennen. Kleider für jede Jahreszeit wurden zu stylischen, modernen Fußball Fan-Outfits umgestaltet. Schwarz, Rot und Gold dominierten. Aber auch aus vielen anderen Teilen der Welt waren Menschen eigens für die Weltmeisterschaft angereist. Die brasilianischen, amerikanischen oder schwedischen Fußballfans, auch hier zu großen Teilen Frauen, dekorierten sich ebenfalls in ihren Landesfarben, um ihre Mannschaften zu unterstützen. Die große Überraschung des Turniers waren zweifellos die japanischen Spielerinnen, die durch ihre couragierte und technisch starke Spielweise nicht nur die deutschen Damen aus dem Turnier warfen, sondern schließlich auch das Finale gegen die Amerikanerinnen im Elfmeterschießen gewinnen konnten.

Zur besten Spielerin des Turniers wurde Homare Sawa gekürt, zudem bekam sie eine Auszeichnung für die Spielerin mit den meisten erzielten Toren (5 Tore). Auch den Fairplay Preis bekam die japanische Nationalmannschaft. Den Titel der besten Torhüterin erhielt die amerikanische Keeperin Hope Solo. Erstmals in der Geschichte des Frauenfußballs wurden die Trikots der Nationalmannschaft eigens für Frauenkörper entworfen - bisher spielten die Mannschaften in abgeänderten Männertrikots.

Zu hohe Erwartungen?

Die Fußballfrauen der deutschen Mannschaft waren bereits vor dem Turnier von Medien und Fans zum Favoriten gekürt und so zum Siegen verdammt worden. Diese hohen Erwartungen konnte das Team leider zu keiner Zeit erfüllen. Eine engagierte Leistung gegen Frankreich und ein paar zerfahrene Partien, sowie eine enttäuschende Birgit Prinz konnten die deutschen Fans nicht begeistern. Die Partien der Schwedinnen, Amerikanerinnen, Brasilianerinnen und nicht zuletzt der Japanerinnen fanden dafür umso mehr euphorisierte Zuschauer. Während Schwarz, Rot, Gold nach dem Ausscheiden der deutschen Frauen langsam aus den Straßen verschwanden, sah man nun zunehmend die Farben anderer Nationen. Sympathiebekundungen wie zum Beispiel weiße T-Shirts mir rotem Punkt in der Mitte oder günstige Damenschuhe, die mit wasserfesten Farben bestrichen das schwedische Fanoutfit stilecht in Blau und Gelb vollendeten gehörten von nun an fest zum Alltag in den deutschen WM Standorten.

Frauenfußball ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen!

Die Euphorie und das große Interesse an der Frauen-Fußball WM zeigen vor allem eines: Frauenfußball ist inzwischen als vollwertiger Sport akzeptiert und hat viele Befürworter und Fans gewonnen. Die technisch starken und auf dem Spielfeld - mit wenigen Ausnahmen - äußerst fair spielenden Fußballfrauen lockten Tag für Tag Millionen vor die Fernseher und Tausende in die Stadien. Auch die seit der Fußball WM der Männer 2006 sehr beliebten Public Viewing Events wurden wieder in vielen Großstädten überall in der BRD zelebriert. Neben Sneakers und Bierbäuchen fand man hier nun auch vermehrt topaktuelle Damenschuhe, modische Outfits und kreischende Frauen.
Man darf gespannt sein, wie sich der Sport in den kommenden Jahren weiterentwickeln wird. Die meisten Profi-Fußballerinnen müssen neben dem Sport noch arbeiten, um sich den Lebensunterhalt zu erwirtschaften und die deutsche Frauenfußballliga wird in der Berichterstattung noch immer allenfalls stiefmütterlich behandelt. Kurze Zusammenschnitte weniger Partien sind bislang alles, was man im Fernsehen über den Sport erfahren kann. Die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit könnte den Frauenfußball rasch vergessen, wenn erst wieder die neue Bundesliga-Saison der Herren beginnt. Zudem steht im nächsten Jahr auch die Europameisterschaft der Herren ins Haus. Ob man dann noch vom Frauenfußball spricht? Man wird sehen. Aber die weiblichen Fans werden wieder in die Stadien und vor die Leinwände pilgern und ihre Mannschaft anfeuern.